Christoph Gröner – Initiative fordert Enteignung der insolventen CG-Gruppe

Christoph Groener CG Gruppe

LEIPZIG | Die wirtschaftliche Krise der CG-Gruppe sorgt in Leipzig für neue Diskussionen über die Eigentumsverhältnisse am Wohnungsmarkt. Die Initiative „CG enteignen! Gröner und Co entmachten“ nutzte die aktuellen „Housing Action Days“, um am Dienstag über die Überführung privater Bestände in Gemeineigentum zu debattieren. Clara und Paula erläutern im Gespräch, warum sie das bisherige Geschäftsmodell von Großinvestoren für gescheitert halten und welche Ziele die Gruppe verfolgt.

Der Leipziger Westen ist durch großflächige Projektentwicklungen geprägt, von denen ein beträchtlicher Teil mit dem Firmenkonstrukt von Christoph Gröner verknüpft ist. Angesichts der aktuellen Insolvenzmeldungen innerhalb der Gruppe stellt sich für viele Bewohner die Frage nach der Zukunft dieser Immobilien. Die Gruppe „CG enteignen! Gröner und Co entmachten plädiert dafür, diesen Moment für eine grundsätzliche Kurskorrektur in der Stadtentwicklung zu nutzen und Wohnraum stärker der profitorientierten Verwertung zu entziehen.

Warum macht ihr bei den Housing Action Days mit und warum ist euch das Thema Enteignung gerade jetzt so wichtig – auch vor dem Hintergrund, dass das bisherige Geschäftsmodell der CG-Gruppe offensichtlich an seine Grenzen gekommen ist?

Clara: Wir finden, dass es in der aktuellen Wohnungsdebatte zwingend auch um Enteignungen gehen muss. Unser voller Name ist Programm: „CG enteignen – Gröner und Co. entmachten“. Die Insolvenzen in seinem Firmenimperium waren für uns der direkte Anlass, dieses Konstrukt genauer unter die Lupe zu nehmen. Es ist auffällig, wie viel Macht und Einfluss einzelne Unternehmer auf die gesamte Stadtentwicklung haben. Diesem Imperium gehört ein großer Teil des Leipziger Westens, aber auch Großprojekte in Berlin, Köln und München. Und diese Projekte stehen seit den Zahlungsverzögerungen still! Da entsteht kein Wohnraum und schon gar kein bezahlbarer.

Paula: Die aktuellen Entwicklungen zeigen vor allem eines: Das bisherige System der Immobilien-Großprojekte funktioniert so nicht mehr. Es gibt bereits viel öffentliche Kritik an der Vorgehensweise der Gruppe wie der Veruntreuung von Nebenkosten oder nicht bezahlte Handwerkerrechnungen. Wir nutzen diesen Moment, um ganz grundsätzliche Fragen zur Verteilung von Grund und Boden zu stellen.

Ihr habt Dienstag Abend ein „World Café“ organisiert, um über die Frage „Wohnen: Grundrecht oder reine Ware?“ zu diskutieren. Was erwartet die Leute dort konkret?

Clara: Wir wollten kein klassisches Podium, sondern ein Format, bei dem wir wirklich mit den Leuten ins Gespräch kommen – auch mit denen, die nicht in der typischen „Szene-Bubble“ unterwegs sind, sondern sich allgemein für Mieten und Stadtentwicklung interessieren. In verschiedenen Diskussionsrunden gehen wir der Frage nach, ob diese Logiken – Profit versus Grundrecht – überhaupt nebeneinander bestehen können oder ob sie sich letztlich ausschließen.

Paula: Wir diskutierten aber nicht nur die Theorie, sondern auch, welche konkreten Maßnahmen Mieterinnen und Mietern in der jetzigen Situation wirklich helfen. Wir sehen ja überall in Leipzig die Folgen: Die Mieten steigen rasant, die Wohnungssuche wird immer schwieriger und Modernisierungskosten werden oft einseitig umgelegt. Hier stellt sich die Frage: Ist Vergesellschaftung, also Wohnraum in allgemeiner Hand statt in der von profitorientierten Unternehmen, langfristig die einzig stabile Lösung? Da sehen wir nicht nur die Stadt, sondern auch den Bundesgesetzgeber in der Pflicht.

Leipzig gilt oft als bundesweiter Vorreiter für alternative Wohnformen wie Hausprojekte und Wagenplätze. Wie wichtig ist dieser Standort-Faktor für eure Forderung nach einer großen Lösung?

Paula: Leipzig verfügt über eine sehr vielfältige Landschaft an Projekten. Neben dem Mietshäuser Syndikat gibt es zahlreiche Genossenschaften und Wagenplätze. Diese Alternativen sind wie kleine Leuchttürme – sie zeigen bereits heute, dass Wohnen auch außerhalb der klassischen Renditelogik funktionieren kann. Wir wollen diese Debatte nun weiterführen und aufzeigen, dass eine Vergesellschaftung großer Bestände der nächste notwendige Schritt für eine soziale Stadtpolitik ist. Das Grundbedürfnis auf Wohnen muss für viele Menschen erfüllt werden, auch außerhalb der genannten Nischen. 

Wie kann man eure Arbeit unterstützen oder selbst bei „CG enteignen“ aktiv werden?

Clara: Wir treffen uns alle zwei Wochen dienstags zum Plenum. Wer uns unterstützen möchte oder einfach mal reinschnuppern will, kann uns am besten über Instagram oder per E-Mail kontaktieren. Wir freuen uns über jeden, der Lust hat, Alternativen zur aktuellen Immobilienpolitik sichtbar zu machen und sich zu vernetzen. /MS

Kontakt CGe: cg-enteignen[ät]riseup.net – Instagram: @cgenteignen

> Housing Action Days Leipzig: 23.–29.März
> Mehr Infos unter 
www.leipzigfueralle.de
> Mehr zu den Housing Action Days auf LA-PRESSE.ORG