Auftakt der Housing Action Days in Leipzig

An diesem sonnigen Montagnachmittag startete auf dem Leipziger Marktplatz die Aktionswoche der „Housing Action Days“. Die Veranstaltungsreihe, die Teil eines mittlerweile globalen Netzwerks ist, thematisiert bis zum kommenden Sonntag die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt und sucht nach kollektiven Antworten auf steigende Mieten und Verdrängung. Zum heutigen Auftakt standen neben einer zentralen Kundgebung vor allem die Vernetzung lokaler Initiativen und die Vorstellung alternativer Eigentumsmodelle im Fokus.

Der Startschuss markiert den Beginn von fast 30 Einzelveranstaltungen im gesamten Stadtgebiet. Wie die Aktivisten Robin und Kasi vom Bündnis „Leipzig für Alle“ in einem aktuellen Interview mit dem Stadtmagazin kreuzer erläutern, versteht sich die Woche als notwendige Reaktion auf eine jahrzehntelange wohnungspolitische Defensive. Während die Messestadt lange Zeit als Hort bezahlbaren Wohnraums galt, haben sich die Angebotsmieten hier innerhalb der letzten zehn Jahre um über 50 % erhöht. Diese Entwicklung wird von den Initiativen als Teil einer globalen Finanzialisierung von Wohnraum analysiert, weshalb die Housing Action Days zeitgleich in zahlreichen Städten weltweit – von Ruanda bis in die USA – stattfinden.

Ein zentrales Motiv des heutigen Tages war die Überwindung der individuellen Betroffenheit durch organisierte Gegenwehr. Auf dem Marktplatz präsentierten verschiedene Recht-auf-Stadt-Initiativen ihre Arbeit und boten niederschwellige Hilfsmittel wie mobile Mietsprechstunden an. Ziel ist es, die Hürden für Mieter:innen zu senken, sich gegen Mängel oder undurchsichtige Abrechnungen zu wehren. Parallel dazu verlagerte sich das Geschehen am Nachmittag in die Stadtteile. In Gohlis am Coppiplatz traf sich die Mietergemeinschaft Gohlis, die in Kooperation mit der Mietergewerkschaft Deutschland e.V. seit zwei Jahren gezielten Widerstand gegen Großvermieter wie die Vonovia organisiert. Hierbei geht es primär darum, die Machtkonzentration renditeorientierter Unternehmen durch kollektive Prüfung von Betriebskosten und Instandsetzungsforderungen zu adressieren.

Neben dem Protest gegen bestehende Marktstrukturen wurden heute auch praktische Alternativen zur gängigen Immobilienverwertung aufgezeigt. In Großzschocher öffnete das Hausprojekt „Haus im Fluss“ seinen Vorgarten für ein Nachbarschaftscafé. Als Teil des Mietshäuser Syndikats verfolgt das Projekt das Ziel, Wohnraum dauerhaft der Spekulation zu entziehen. Durch eine spezifische Rechtsform wird privates Eigentum an Grund und Boden ausgeschlossen, wodurch das Objekt dem freien Markt entnommen und in kollektive Selbstverwaltung überführt wird. Solche Projekte fungieren innerhalb der Bewegung als wichtige Referenzpunkte für ein solidarisches Wohnen jenseits der Profitlogik.

Den Abschluss des ersten Aktionstages bildete der Übergang zur kulturellen Auseinandersetzung im Projektraum „Handstand & Moral“ in Lindenau. Die dort eröffnete Ausstellung „Von Hütten & Fassaden“ der Architektin Isabel Averdam und der Autorin Carolin Krahl beleuchtet die psychosozialen Folgen von Entmietungsprozessen. Insbesondere das Hörstück „mutnegie“ dokumentiert das subjektive Erleben des Wohnungsverlusts und setzt es in Bezug zu konkreten Mietkämpfen im Leipziger Stadtgebiet. Damit schließt sich der Kreis eines ersten Tages, der deutlich machte, dass die Wohnungsfrage in Leipzig längst keine rein statistische Größe mehr ist, sondern das soziale Gefüge der Stadtteile unmittelbar transformiert.

Die kommenden Tage der Aktionswoche widmen sich weiteren Schwerpunkten: Am morgigen Dienstag stehen juristische Workshops zum Mietrecht sowie Debatten über die Vergesellschaftung von Immobilienbesitz auf dem Programm. / MS

> Housing Action Days Leipzig: 23.–29.März
> Mehr Infos unter 
www.leipzigfueralle.de

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