Kontaktstelle Wohnen – Ehrenamt gegen Wohnungsnot

Kontaktstelle Wohnen

LEIPZIG-LINDENAU | Im „Handstand & Moral“ herrschte beim Infoabend am Dienstag eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Im Rahmen der „Housing Action Days“ werben Initiativen wie die Kontaktstelle Wohnen derzeit verstärkt um ehrenamtliche Unterstützung. Die Herausforderungen auf dem Leipziger Wohnungsmarkt wachsen, während gleichzeitig die Finanzierung wichtiger Beratungsstrukturen unsicherer wird. Wir haben mit Mine Hänel von der Kontaktstelle über das Projekt „Housing Care“, bürokratische Hürden und die Notwendigkeit solidarischer Netzwerke gesprochen.

Die Kontaktstelle Wohnen fungiert als zentrale Schnittstelle für Menschen, die auf dem regulären Immobilienmarkt oft systematisch benachteiligt werden. Von der Vermittlung von Workshops bis zur Begleitung bei Besichtigungen deckt das Team ein breites Spektrum ab. Doch hinter den Kulissen kämpft der Verein mit einem „Flickenteppich“ an Projektfinanzierungen und hofft nun auf positive Signale aus den anstehenden Haushaltsverhandlungen der Stadt Leipzig.

Ihr beteiligt euch in diesem Jahr wieder an den Housing Action Days. Welches Ziel verfolgt ihr mit eurer Veranstaltung im „Handstand & Moral“?

Mine Hänel: Wir sind nicht zum ersten Mal dabei, weil die Housing Action Days unsere zentralen Werte – menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen – in die Öffentlichkeit tragen. In diesem Jahr liegt unser Schwerpunkt auf der Akquise von Ehrenamtlichen. Das hat auch einen ernsten Hintergrund: Unsere Fördersituation wird immer schwieriger. Es ist absehbar, dass wir künftig vermehrt auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sein werden, um unsere Arbeit überhaupt in diesem Umfang fortführen zu können.

Für alle, die eure Arbeit noch nicht kennen: Wie sieht die konkrete Unterstützung der Kontaktstelle im Alltag aus?

Mine Hänel: Wir unterstützen geflüchtete Menschen sowie Frauen aus Frauenschutzhäusern bei der Wohnungssuche. Das beginnt bei niedrigschwelligen Workshops zur Orientierung auf dem Markt und reicht bis zur direkten Begleitung. Wir helfen dabei, die Bürokratie zu bewältigen, unterstützen bei der Kommunikation mit Vermietern und sind oft bis zur Schlüsselübergabe dabei. Auch danach bleiben wir Ansprechpartner, wenn es beispielsweise um das Verständnis von Behördenbriefen geht, um den Wohnraum langfristig zu sichern.

Dabei vermittelt ihr nicht aus einem eigenen Wohnungsbestand, sondern helft zur Selbsthilfe auf dem freien Markt?

Mine Hänel: Genau, wir haben keine eigenen Wohnungen im Angebot. Wir befähigen die Menschen stattdessen, die öffentlichen Portale effektiv zu nutzen. Wir beraten dazu, wie man Vermieter am besten anspricht und welche Unterlagen zwingend notwendig sind, um überhaupt eine Chance zu haben.

Ein besonders spezialisiertes Angebot ist das Projekt „Housing Care“. Wer wird hier adressiert?

Mine Hänel: Bei „Housing Care“ geht es um eine besonders vulnerable Gruppe: unbegleitete minderjährige bzw. junge Geflüchtete, die ohne soziales Netzwerk in Deutschland sind. Sobald sie 18 Jahre alt werden, fallen sie aus dem Jugendhilfesystem heraus – sie sind sogenannte „Care Leaver“. Oft müssten sie dann zurück in eine Gemeinschaftsunterkunft. Wir helfen ihnen dabei, den Schritt in die eigene Wohnung zu schaffen und diese Lücke im Hilfesystem zu schließen. Gefördert wird das Projekt aktuell durch die Deutsche Fernsehlotterie.

Du hast die schwierige Finanzierung angesprochen. Wie stabil ist das Fundament der Kontaktstelle aktuell?

Mine Hänel: Wir arbeiten mit einer sehr kleinteiligen Projektfinanzierung – von der Fernsehlotterie über das BAMF bis hin zu kleineren Stiftungen. Das Problem ist, dass diese Mittel meist befristet sind. Unsere Arbeit erfordert jedoch Kontinuität, die in dieser „Projektlogik“ oft nicht vorgesehen ist. Aktuell stehen in Leipzig zudem Haushaltsverhandlungen an. Wir hoffen sehr, dass wir dort mitgedacht werden. Besonders unser Projekt für Frauen aus Schutzhäusern läuft Mitte des Jahres aus; hier wäre eine Verstetigung durch kommunale Unterstützung oder Mittel vom Land extrem wichtig.

Wie können Leipzigerinnen und Leipziger eure Arbeit jetzt konkret unterstützen, wenn sie helfen möchten?

Mine Hänel: Es gibt mehrere Wege. Zum einen sind Spenden essenziell, um unsere Grundarbeit abzusichern. Ein sehr konkretes Beispiel ist unser Kautionskonto. Wir vergeben daraus zinslose Darlehen für Kautionen. Oft scheitert eine Zusage daran, dass das Amt zu lange für die Bearbeitung braucht und die Wohnung dann weg ist. Wir füllen diese Lücke, zahlen die Kaution sofort aus und erhalten das Geld später vom Amt zurück, um der nächsten Person helfen zu können.

Und im Bereich des Ehrenamts?

Mine Hänel: Da ist der Bedarf riesig! Wir suchen Menschen für die Begleitung zu Besichtigungen oder zur Unterstützung in unseren Workshops. Es gibt auch Tandemprojekte, bei denen es um die Orientierung im eigenen Viertel oder gemeinsame Kulturveranstaltungen geht. Der zeitliche Aufwand ist dabei sehr flexibel gestaltbar. Wer Interesse hat, kann sich einfach bei uns melden.

Kontakt & Unterstützung

Wer die Kontaktstelle Wohnen durch Spenden für den Kautionsfonds oder ehrenamtliche Mitarbeit unterstützen möchte, findet alle Informationen auf der offiziellen Webseite: kontaktstelle-wohnen.de. Adresse: Georg-Schwarz-Straße 19, 04177 Leipzig E-Mail: info[ät]kontaktstelle-wohnen.de

Fotos: Kontaktstelle Wohnen / MS

> Housing Action Days Leipzig: 23.–29.März
> Mehr Infos unter 
www.leipzigfueralle.de
> Mehr zu den Housing Action Days auf LA-PRESSE.ORG