Der Spätverkauf »Lazy Dog« kommt zurück – und plädiert für eine Novellierung des Gewerbemietrechts

Thomas und Muz - im neuen Lazy Dog
Bislang gibt es kein Gewerbemietrecht, das vor Kündigungen und unbegrenzten Mieterhöhungen schützt. Von Verdrängung sind Gewerbetreibende, HandwerkerInnen, Kulturschaffende und soziale Einrichtungen ebenso wie WohnmieterInnen bedroht.
 
Angesichts der prominenten Entscheidung gegen den Mietendeckel in Berlin und der dadurch aufgekommenen Diskussion, sollte auch die Novellierung des Gewerbemietrechts auf Bundesebene wieder ins Auge gefasst werden – meinen die Betreiber des Lazy Dog.
 

Lazy Dog – was hat es mit dem Namen auf sich?
Erfunden wurde der Name „fauler Hund“, um dem Klischee der gerne lang schlafenden Spät-Shop-Hot-Dog-VerkäuferInnen gerecht zu werden. Dabei hat sich unser Angebot in den letzten Jahren in verschiedene Richtungen entwickelt bzw. spezialisiert. Inzwischen gehört auch der Direktimport von Bieren, meist aus Tschechien, zu unseren Tätigkeiten.
 
Gefühlt gibt es euch schon ewig – Wann seid ihr gestartet?

2004 ging es in dem vormals durch „Mrs. Martha Focker“ genutzten Raum los, bis der denkmalgeschützte Ziegelbau mit Tankstelle nebenan Ende 2007 dem NETTO-Markt weichen musste. Unsere Fläche wurde für sechs Parkplätze „benötigt“. Optionen für einen Verbleib auf dem Gelände gab es nicht.

Lazy Dog 2007  – heute Netto Parkplatz
 
OK, Neubau – Wie ging es weiter?

Ab 2008 waren wir für fünf Jahre in der Wolfgang-Heinze-Str. 20, aber die Erben des Vermieters sahen in unserem Geschäftskonzept wohl ein zu hohes „Konfliktpotenzial“, auch mit der werten Nachbarschaft. Gekündigt bzw. nicht verlängert wurde mit dem Verweis auf unsere Geschäftszeiten, die aber bei unseren NachfolgerInnen dann ohne Probleme sogar noch erweitert wurden. 

Lazy Dog 2008 – heute Shahia II
 
OK, EigentümerInnenwechsel – Und dann?

Das stetig schwindende Angebot an Gewerberäumen zwang uns zur Bewegung in Richtung Markkleeberg. Wir waren skeptisch, ob wir da „unten“ funktionieren, aber nach weiteren acht Jahren in der Ecke Wolfgang-Heinze-Str. / Hermannstraße war das Gegenteil bewiesen. Dabei haben uns viele Leute geholfen, die uns weiterhin unterstützt haben, aber auch viele neue KundInnen, die das Sortiment, der berüchtigte „kalte“ Service oder vielleicht auch unsere aktive „Spendendose“ angelockt hat. Und die Hot Dogs sind nicht schlecht, oder?

Lazy Dog 2020 - Heute "Copy Cat"
Lazy Dog 2020 – heute ein Späti (ohne Name)
 
Trotzdem seid ihr zwischenzeitlich wieder ausgezogen – Hat das System?
Vor ca. eineinhalb Jahren erfuhren wir vom Verkauf der gesamten Gewerbefläche, einschließlich der Arbeitsräume des Pflegedienstes. Die Summe bewegte sich im hohen sechsstelligen Bereich. Für uns war das keine Option. Kurze Zeit später wurde uns mitgeteilt, dass an einer Verlängerung des Mietvertrages von Seiten der KäuferInnen kein Interesse besteht. 
 
Wir haben dann sofort das Gespräch gesucht. Die Forderung der neuen EigentümerInnen: Die Fortsetzung des Vertrages über weitere fünf Jahre nur bei Zahlung von über 100% höherer Miete. Das kam für uns einerseits aus wirtschaftlichen und andererseits aus mietpolitischen Gründen nicht in Frage. Weitere Gespräche bzw. Schreiben waren ergebnislos.
 
Ebenso blieb der Versuch ergebnislos, den Vertrag wenigstens bis zum Umzug in den neuen Geschäftsraum zu verlängern. Das hätte uns wirtschaftlich total geholfen, ebenso unseren FreundInnen und MitarbeiterInnen, die im Übergangsbereich angestellt waren.
Das Beispiel zeigt die absolut nicht existenten Schutzmechanismen im Gewerbemietrecht, es herrscht absoluter wild-west-style, im Gegensatz zum etwas regulierten Mietwohnrecht. 
 
BetreiberInnen befreundeter Gaststätten im Viertel berichteten ebenfalls von häufigen BesitzerInnenwechseln in den letzten Jahren. Dabei tauchen auch immer wieder Szenegrößen wie Vonovia und Deutsche Wohnen auf.
 
OK, EigentümerInnenwechsel – Kommt der faule Hund nun zur Ruhe?
Die Situation auf dem Markt für Gewerberäume hatte sich mit der zwischenzeitlichen Entwicklung von Connewitz nicht verbessert. Die Suche wurde noch schwieriger. Der entscheidende Tipp kam von einer ehemaligen Mitarbeiterin, Kontakte wurden geknüpft, Entscheidungen getroffen.
 
Unser neues Domizil befindet sich zwei Häuser weiter im Wohnprojekt „Wolle43“ e.V. Die Gruppe konnte eines der letzten Häuser im Leerstand erfolgreich der Spekulation entziehen. Das Wohnprojekt war auf der Suche nach NutzerInnen für die Gewerbeeinheit. Somit ergibt sich für uns erstmalig die Chance, ein Mietverhältnis jenseits der klassischen Vermieter/Mieter-Beziehung zu erleben. Der Mietvertrag wurde gemeinsam besprochen, über manche Bauausführung gestritten und erzielte Fortschritte gefeiert.
 
Wir bestreiten momentan gemeinsam den Ausbau der Räumlichkeiten und sind guter Dinge, dass wir Ende Mai / Anfang Juni die Türen wieder öffnen können.
 
Lazy Dog - Baustelle April 2021
Lazy Dog heute – Die Eröffnung steht bevor
 
GewerbemieterInnen sind relativ schutzlos – Was brauchts aus eurer Sicht? 
Dass vor wenigen Tagen die neuen BesitzerInnen in unserem letzten Domizil einen Laden mit gewissen Ähnlichkeiten eröffnet haben, war schon eine Überraschung. Der Name „Copy-Cat“ wäre vielleicht passender. Umso größer war die Resonanz bzw. Ablehnung, die von vielen FreundInnen und Bekannten geäußert wurde.
 
Das verdeutlicht nochmal, dass die Schutzmechanismen im Gewerberecht, das einer dringenden Novellierung bedarf,  fehlen. Darüber hinaus gibt es auch noch eine totale Kaltschnäuzigkeit beim zwischenmenschlichen Umgang mit GewerbemieterInnen – es braucht also mehr Solidarität.
 
Solidarität – wie könnte die aussehen?

Wir würden uns natürlich riesig freuen, wenn uns unsere Gäste auch im nächsten Laden wieder besuchen. Wenn wir unsere MitarbeiterInnen und uns wieder mit Jobs versorgen können und dies unser letzter Umzug war.

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