Buchvorstellung: „Weil Wegsehen keine Option ist“

Richard Gauch

Am 9. Oktober stellte Richard Gauch in Leipzig sein Buch „Weil Wegsehen keine Option ist“ vor. Zwischen Lesungen über Asyl-Härtefälle, Gedenkarbeit und Ungarn ging es auf dem Podium um die Frage, was Orbáns Machtjahre über die Lage in Deutschland verraten, und um die Wahlerfolge der AfD in Sachsen-Anhalt.

Am 9. Oktober stellte Richard Gauch in der Galerie KUB in Leipzig sein Buch „Weil Wegsehen keine Option ist“ vor. Der Abend bestand aus Lesungen und einer Podiumsdiskussion. 

Florian Illerhaus vom Verlag bookra eröffnete den Abend mit einem Satz über den Autor: Richard könne man nur sehr schwer einen Gefallen abschlagen. Danach gedachte die Moderatorin Juliane Nagel des Anschlags auf die Synagoge in Halle. Am 9. Oktober 2019 hatte ein Rechtsextremer dort ein Attentat verübt und zwei Menschen getötet. Nagel erinnerte daran, dass sich am Jahrestag in Halle eine Menschenkette vor der Synagoge gebildet hatte um dem AfD Politiker Hans-Thomas Tillschneider den Zugang zu verwehren.. 

Zwischen den Gesprächen wurden mehrere Kapitel aus dem Buch vorgelesen. Richards Enkel Aaron las ein Kapitel über die sächsische Härtefallkommission: Durch deren positive Entscheidung erhielt ein junger Palästinenser aus dem Libanon ein Bleiberecht. Ricky las unter anderem ein Kapitel über das ungarische Dorf Galgagyörk, in dem es 2008 und 2009 zu massiven Angriffen auf Roma kam. Gauch selbst erzählte im Gespräch von einem Jugendlichen, der mit seiner Hilfe eine Ausbildung zum Gleisbauer fand.

Auf den Dokumentarfilm „Eine Begegnung – Arabische Flüchtlinge treffen auf den Holocaust“, dem ebenfalls ein Kapitel des Buches gewidmet ist, wurde per QR-Code hingewiesen. Er zeigt, wie Männer aus Syrien, dem Irak und Marokko die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen. Hier im Beitrag können Leserinnen und Leser ihn selbst ansehen: 

Aladár Horváth, Präsident des Ungarischen Romaparlaments, sprach über die Jahre unter Viktor Orbán. Orbán habe 2010 mit einer Zweidrittelmehrheit gewonnen, nachdem er Ordnung und Vollbeschäftigung versprochen habe. Danach seien Medien, Akademie und Kultureinrichtungen umgebaut worden. Am 12. April 2026 verlor Orbán die Wahl. Die Tisza-Partei von Péter Magyar erreichte nach Angaben der Berliner Zeitung 53,18 Prozent, Fidesz 38,61 Prozent.

Petra Pau verglich die Lage in Ungarn mit dem Aufstieg der AfD. Sie warnte, dass Programme wie „Demokratie leben“ umgebaut oder gekürzt werden und engagierte Vereine unter Generalverdacht geraten. Till Neumann sagte, junge Menschen im ländlichen Raum bekämen zu wenig Angebote, in denen sie selbst etwas bewegen können; Abgehängtsein ist nicht nur ein Gefühl, sondern greifbare Realität und spielt der extremen Rechten in die Hände.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kam die AfD auf 43,8 Prozent. Die CDU erreichte 17,2 Prozent. Die AfD verfehlte die absolute Mehrheit. Eine Regierung ohne die AfD ist nach Berichten schwer vorstellbar. Sachsen wählt, voraussichtlich im Herbst 2029, einen neuen Landtag. Gauch wolle mit dem Buch zeigen, dass man nicht nur schimpfen, sondern selbst etwas tun kann. Einige Leserinnen und Leser hätten schon eigene Projekte angestoßen, berichtete er. Der Verleger Florian Illerhaus habe nach dem Lektorat angekündigt, in Ägypten ein Umweltprojekt an einer Schule zu starten. Andere wurden motiviert Menschen in Notlagen zu unterstützen. 

Kleine Veränderungen im Alltag wirken auf große gesellschaftliche Entwicklungen zurück. Das ist eine zentrale Botschaft des Buches und des Abends in der Galerie kub.

Das Buch ist im Leipziger bookra Verlag erhältlich: Weil Wegsehen keine Option ist 

Fotos: Robin Irmer